Bei Dendermonde für den Fellhandel gezüchtet
Die Rasse entstand im ländlichen Umland des belgischen Dendermonde. Ende des 19. Jahrhunderts wurden große Mengen Kaninchen für die Fleischgewinnung nach England ausgeführt. Für einfarbig weiße und blaue Felle zahlte die Pelzindustrie hohe Preise. Viele Arbeiterfamilien der Region begannen deshalb, unter den örtlichen Kaninchen gezielt einfarbige Tiere auszuwählen und in größerem Umfang zu züchten.
Welche Rassen an der Entstehung des Blanc de Termonde beteiligt waren, ist nicht geklärt. Die herangezogenen Quellen nennen vier unterschiedliche Möglichkeiten; auch das flämische Register weist ausdrücklich auf die vielen überlieferten Versionen hin. Die häufig wiederholte Datierung „um 1920“ ist in keiner verlässlichen Quelle belegt, die dieser Artikel verwendet. Der erste sicher datierte Meilenstein ist die Einfuhr der ersten Tiere an die polnische Station des Instituts für Tierproduktion in Chorzelów im Jahr 1977.
- Flämisches Erberegister: ein ausgestorbenes Witte van Tervuren, ein weißes Van Beveren oder direkt der Belgische Riese.
- Italienischer Agraratlas: stammt vom Belgischen Riesen ab.
- Polnische Fachliteratur: aus belgischen weißen Kaninchen gezüchtet — einer Rasse, die das polnische Herdbuch getrennt vom Belgischen Weißen Riesen führt.
Immer Albino, langer Kopf, V-förmig getragene Ohren
Jedes Blanc de Termonde ist ein Albino: makellos weißes Haar und rubinrote Augen mit heller Iris. Die Krallenfarbe ist der einzige Punkt, an dem die Beschreibungen auseinandergehen: weiß im italienischen Atlas, weiß oder fleischfarben in der polnischen Beschreibung. Das Haar ist mittellang und recht dicht, seidig, unterwollreich, mit rund 3 cm langem Grannenhaar.
Der Kopf ist bei der Häsin lang und fein, beim Rammler runder; ein runder, voller Kopf bei einer Häsin gilt als leichter Fehler. Die Ohren messen 13,5–15 cm, sind groß und kräftig, an den Spitzen gerundet und werden V-förmig getragen; polnische Quellen nach Frindt geben 13–15 cm an. Der Körper ist lang gestreckt mit ansteigender Rückenlinie, breiter Brust, gut bemuskeltem Hinterteil und gerundeter Kruppe. Rammler haben überhaupt keine Wamme, Häsinnen höchstens eine leichte nach dem ersten Jahr — dieses Detail wird meist umgekehrt wiedergegeben.
- Schwere Fehler: andere Augenfarbe als Rubinrot; Haare in jeder Farbe außer Weiß; Ohren länger als 15 cm; Hänge- oder Knickohren; zu kurzer Körper; Übergewicht; grobes oder zu wolliges Haar; Zahnfehler.
- Leichte Fehler: zu langes Haar; schwerer Knochenbau; kurzer Kopf; runder, voller Kopf bei einer Häsin.
Nach Standard mittelgroß, nach Gewichtsskala groß
Der europäische Standard zählt die Rasse zu den mittelgroßen Kaninchen und gibt 4,0–5,5 kg an. Als Ideal gelten 4,5–5,0 kg für Rammler und 4,0–5,5 kg für Häsinnen. Das flämische Register nennt für ausgewachsene Tiere im Mittel etwa 4,5 kg; der polnische Standard fasst die Spanne ab dem achten Lebensmonat mit 3,5–5,7 kg weiter.
In englischsprachigen Veröffentlichungen wird die Rasse meist als groß bezeichnet. Ihre Gewichtsspanne berührt nach den Kategorien des MSD Veterinary Manual tatsächlich drei Klassen: das obere Ende der mittleren, die gesamte große und den Beginn der Riesenklasse. Für eine einheitliche Einteilung in der Enzyklopädie führen wir sie daher als große Rasse, obwohl der europäische Standard sie als mittelgroß bezeichnet. Die Obergrenze ist kein Zuchtziel — Übergewicht gilt als schwerer Fehler.
Würfe, Fruchtbarkeit und Milchleistung
Aktuelle geprüfte Zahlen veröffentlicht nur Polen. 2024 verzeichnete das nationale Herdbuch 383 Würfe — 2900 geborene und 2229 aufgezogene Jungtiere, also 7,6 geborene und 5,8 aufgezogene je Wurf bei 76,9% Aufzuchtrate; 2023 waren es 7,6 geborene und 5,2 aufgezogene, 69,1%. Alle geprüften Kaninchen Polens lagen 2024 bei 6,7 geborenen und 5,6 aufgezogenen bei 83,3%, die Rasse liegt also bei den Geborenen über und bei den lebend erhaltenen Jungtieren unter dem Landesmittel.
Für 2016 weist das Herdbuch je Häsin und Jahr 2,9 Würfe mit 21,2 geborenen und 18,2 aufgezogenen Jungtieren aus; über alle kontrollierten Kaninchen waren es 1,8 Würfe und 11,0 geborene Jungtiere. Rund 80% der Deckakte im Jahresverlauf waren erfolgreich. Der Milchleistungskoeffizient der Häsinnen stieg vom ersten bis zum fünften Wurf von 3,51 auf 3,72. Der Standard erwartet zwar 8–10 Jungtiere je Wurf, keiner der veröffentlichten Mittelwerte erreicht diesen Wert.
Schnelles Wachstum, leichter Schlachtkörper, viel Protein
Das Wachstum ist das am besten belegte Merkmal: 612 g mit 28 Tagen, 909 g mit 35 Tagen und 2587 g mit 90 Tagen; ein zweiter Versuch erreicht 2600 g mit 93 Tagen bei 32,48 g durchschnittlicher Tageszunahme — schneller als Alaska, Riesenchinchilla, Kalifornier und Weißer Neuseeländer im selben Vergleich.
Beim Schlachtkörper ist das Bild gemischter, und die Autoren weisen selbst darauf hin. Die Ausbeute betrug 59,7% bei einem Schlachtkörper von 1155 g aus 76,3% Fleisch, 15,9% Knochen und 7,2% Fett — dennoch waren dies die leichtesten Schlachtkörper im Versuch, und nur der Weiße Neuseeländer und die synthetische Linie schnitten schlechter ab. Der Proteingehalt war mit 22,6% der höchste der geprüften Rassen, bei 4,9% Fett, und das Fleisch war das dunkelste und festeste der mittelgroßen Rassen.
- 612 g mit 28 Tagen, 909 g mit 35 Tagen, 2587 g mit 90 Tagen.
- 59,7% Ausbeute; Schlachtkörper 1155 g mit 76,3% Fleisch, 15,9% Knochen, 7,2% Fett.
- 22,6% Protein und 4,9% Fett im Fleisch — der höchste Proteingehalt im Versuch.
Ruhiges Wesen, aber nur schwach belegt
Zum Wesen der Rasse äußert sich nur das flämische Register für lebendes Erbe. Es beschreibt die Tiere als zuverlässig und ruhig. Da es sich um eine einzige kurze Angabe handelt, lässt sich daraus keine feste Regel für jedes Tier ableiten. Der Charakter eines einzelnen Kaninchens wird vor allem durch den Umgang, die Gewöhnung an Menschen, Schmerzen und Angst geprägt.
Besondere Haltungsanforderungen nennt das Register nicht. Ein 4–5 kg schweres Kaninchen braucht dennoch genügend Platz, um sich aufzurichten, auszustrecken, zu verstecken und frei zu bewegen, außerdem eine trockene Liegefläche und eine Belüftung ohne ständigen Luftzug. Der Ernährungszustand sollte durch Abtasten beurteilt werden und nicht allein anhand des Gewichts.
In Belgien selten, in Polen sechs kontrollierte Bestände
Der British Rabbit Council führt Blanc de Termonde unter den seltenen Varietäten im Fellbereich. Die Aufzählung ist als Beispielliste angelegt und nicht als vollständiges Verzeichnis, und ein Standarddokument mit Gewichtstabelle oder Punkteschlüssel ist nicht veröffentlicht — sie belegt also nur den Status als seltene Varietät. Die ARBA erkennt die Rasse nicht an: Weder Termonde noch Dendermonde taucht auf ihrer Seite der anerkannten Rassen auf.
Das flämische Register bezeichnet die Rasse heute als selten, und der italienische Atlas schreibt, sie sei inzwischen sehr schwer zu bekommen. Die klarste Zählung führt Polen: 6 Bestände und 153 Häsinnen unter amtlicher Prüfung im Jahr 2024, gegenüber 5 Beständen und 148 Häsinnen 2023, aber weiterhin unter den 4 Betrieben und 207 Häsinnen von 2016.
Was Sie erfassen sollten, wenn Sie die Rasse halten
Bei einer so kleinen Population sind genaue Aufzeichnungen zu jedem Tier besonders wertvoll. Wiegen Sie stets in festgelegten Altersstufen, damit sich die Ergebnisse mit den veröffentlichten Daten vergleichen lassen. Erfassen Sie geborene und aufgezogene Jungtiere getrennt. Bei der Zuchtauswahl sollten außerdem Augenfarbe, Ohrlänge und farbige Haare dokumentiert werden — alle drei Merkmale gelten als schwere Fehler und können sich in einem kleinen Bestand rasch verbreiten.
- Mit 28, 35 und 90 Tagen wiegen und mit 612 g, 909 g beziehungsweise 2587 g vergleichen.
- Geborene und aufgezogene Jungtiere getrennt führen: Die Schwachstelle ist die Aufzucht.
- Bei jeder Selektion Ohrlänge, Augenfarbe und farbiges Haar notieren.
- Würfe je Häsin und Jahr gegen den Herdbuchwert von 2,9 abgleichen.
Häufige Fragen
Wie schwer wird ein Blanc de Termonde?
Der europäische Standard nennt 4,0–5,5 kg, idealerweise 4,5–5,0 kg bei Rammlern und 4,0–5,5 kg bei Häsinnen. Das flämische Register gibt für ausgewachsene Tiere im Mittel etwa 4,5 kg an. Übergewicht ist ein schwerer Fehler; die Obergrenze ist daher ein Grenzwert und kein Zuchtziel.
Ist das Blanc de Termonde von ARBA oder British Rabbit Council anerkannt?
Der British Rabbit Council führt es unter den seltenen Varietäten im Fellbereich. Die ARBA erkennt es nicht an: Weder Termonde noch Dendermonde erscheint auf ihrer Seite der anerkannten Rassen. Ein BRC-Standarddokument mit Gewichten oder Punkteschlüssel ist nicht veröffentlicht.
Wie viele Jungtiere hat eine Blanc-de-Termonde-Häsin je Wurf?
Das polnische nationale Herdbuch maß 2024 über 383 Würfe 7,6 geborene und 5,8 aufgezogene Jungtiere je Wurf — eine Aufzuchtrate von 76,9% gegenüber 83,3% über alle geprüften Kaninchen. Die Standarderwartung von 8–10 Jungtieren liegt über jedem gezählten Mittelwert.
Welche Schlachtausbeute hat das Blanc de Termonde?
Polnische Versuche maßen 59,7% bei einem Schlachtkörper von 1155 g aus 76,3% Fleisch, 15,9% Knochen und 7,2% Fett. Dieselbe Arbeit hält fest, dass dies trotz des schnellen Wachstums die leichtesten Schlachtkörper aller geprüften Rassen waren.
Wo bekommt man noch Blanc-de-Termonde-Zuchttiere und wie alt werden sie?
2024 standen in Polen sechs Bestände mit 153 Häsinnen unter amtlicher Kontrolle; auch in Flandern gilt die Rasse als selten. Keine der für diesen Artikel verwendeten verlässlichen Quellen nennt eine durchschnittliche Lebenserwartung. Deshalb übernehmen wir keine unbelegten Werte von allgemeinen Tierhaltungsseiten.
- RassestandardBritish Rabbit Council — Rabbit Breeds (Rare Varieties, Fur section)
- RassestandardAmerican Rabbit Breeders Association — Recognized Breeds
- UniversitätAgraria.org — Atlante delle razze di conigli: Bianco di Termonde / Blanc de Termonde (ISSN 1970-2620)
- TierwohlSteunpunt Levend Erfgoed vzw — Wit van Dendermonde (Flemish living-heritage breed register)
- Begutachtete StudiePałka S. et al. (2017) — Characteristics of productive traits and meat quality of Termond White rabbits raised in Poland, Roczniki Naukowe Zootechniki 44(2): 177–181
- BehördeKrajowe Centrum Hodowli Zwierząt — Hodowla zwierząt futerkowych w 2024 roku (Warsaw 2025)
- VeterinärmedizinMSD Veterinary Manual — Description and Physical Characteristics of Rabbits
Veröffentlichte Mittelwerte garantieren nicht dieselben Ergebnisse in jedem Bestand. Wachstum, Wurfgröße und Schlachtleistung hängen unter anderem von Linie, Fütterung, Jahreszeit, Wurffolge, Gesundheit und Haltungsbedingungen ab. Fast alle Zahlen in diesem Artikel stammen aus polnischen Versuchsbeständen. Gesundheits- und Zuchtentscheidungen sollten mit einer Tierärztin oder einem Tierarzt besprochen werden, die oder der Erfahrung mit Kaninchen hat.
